„Was wir tun und wie wir es tun, ist für viele Menschen relevant.“

Drei Fragen an Maria Loheide, Vorständin Sozialpolitik, zu den neuen Strategischen Zielen der Diakonie Deutschland

Von Astrid Lindner am 20.10.2021

Frau Loheide, die Strategischen Ziele der Diakonie Deutschland sind nun fertig. Der Prozess hat sich durch Corona um ein Jahr verzögert. Was ist Ihnen davon besonders in Erinnerung geblieben?

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Besonders beeindruckt hat mich, wie gut es gelungen ist, den analog und mit Zukunftsforen vor Ort geplanten Beteiligungsprozess auf digitale Formate umzustellen. Dabei ist mir das große Engagement und die überwältigende Beteiligung unserer Mitglieder und vieler Stakeholder sehr gut in Erinnerung geblieben. Die unterschiedlichsten Gruppen haben sich eingebracht und uns ermöglicht, eine Strategie zu entwickeln, die unglaublich vielfältige Perspektiven einnimmt. Wir sind auf großes Interesse gestoßen, die Strategie und die Richtung des Bundesverbands mitzugestalten. Die hohe Identifikation mit uns als Bundesverband war dabei deutlich zu erkennen. Was wir tun, und vor allen Dingen wie wir es tun wollen, ist für viele Menschen relevant. Mit unseren drei neuen Strategischen Zielen bin ich sehr zufrieden. Und eines ist ganz klar: Ohne die Beteiligung unserer Mitglieder und der Stakeholder wären sie nicht so gelungen!

Es gibt aktuell viele wichtige Themen. Warum nimmt sich die Diakonie Deutschland genau diese drei strategischen Ziele vor?

In der Tat gibt es eine Vielzahl wichtiger Themen. Gleichzeitig ist es wichtig, zu priorisieren und sich strategisch zu fokussieren, um Ziele erfolgreich und messbar umzusetzen. Unser erstes strategisches Ziel betrifft die soziale und ökologische Transformation. Es ist nicht neu, dass der Klimawandel für alle Aspekte von Gesellschaft und Alltag relevant ist. Aber die Brisanz hat in den letzten Jahren – nicht zuletzt durch die extrem trockenen Sommer und die Flutkatastrophen – enorm zugenommen, sodass derzeit tiefgreifende Änderungen der Rahmenbedingungen für die Arbeit der Diakonie stattfinden. So stellt beispielsweise die Zunahme heißer Sommertage neue Anforderungen an die Gebäude und Einrichtungen. Außerdem arbeiten wir aktuell an Nachhaltigkeitsrichtlinien, in denen eine Klimaneutralität bis 2035 angestrebt werden soll. Diese Umstellungen kosten viel Geld. Für uns als Bundesverband bedeutet das, dass wir diese Veränderungen und die Rahmenbedingungen intensiv mitgestalten müssen. Wir sehen uns in der Pflicht, aktiv unseren Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten.

Mit unserem zweiten strategischen Ziel setzten wir einen Fokus auf die Profilierung und Weiterentwicklung unserer politischen Lobbyarbeit. Während der Corona-Zeit haben wir gute Erfahrungen mit neuen digitalen Instrumenten der Lobbyarbeit gemacht. Was funktioniert hat, wollen wir systematisch und durchgängig weiterentwickeln und anwenden. Wir wollen aber auch kontinuierlich nach neuen Lösungen suchen, die insbesondere das Netzwerk der Diakonie, unsere unmittelbaren und mittelbaren Mitglieder noch stärker nutzt und einbezieht. Hier gibt es viele Möglichkeiten. Dazu möchte ich ein Beispiel nennen: Bisher haben wir in den Sitzungswochen viele Präsenztermine mit Abgeordneten verabredet, um sie für unsere Anliegen zu gewinnen und sie zu überzeugen. Die Möglichkeit über kurze und knackige digitale Interaktionsformate – auch außerhalb der Sitzungswochen – ins Gespräch zu kommen, hat sich in den letzten Monaten gerade mit Blick auf unsere Positionierungen zur Bundestagswahl enorm bewährt. Dabei konnten wir problemlos unsere Mitglieder mit Berichten aus der Praxis einbeziehen. Das macht unsere Arbeit authentischer, flexibler und schneller.

Wir haben uns außerdem zum Ziel gesetzt, die Menschen, mit denen und für die wir arbeiten, in unserer Lobbyarbeit unmittelbar zu beteiligen und sie als Expert*innen für ihre Belange dabei zu unterstützen, für ihre Interessen selbst zu sprechen.

Mit dem dritten strategischen Ziel stellen wir uns die Frage, wie wir unsere Verbandsarbeit beteiligungsorientierter, innovativer und zukunftsfähiger aufstellen können. Wir wollen beispielsweise noch schneller mit unseren Mitgliedern interagieren. Wir wollen für die verbandsinternen Prozesse die passenden digitalen Instrumente einführen und flächendeckend zur Anwendung bringen. Über ein digitales Diakonie-Netzwerk kann schneller informiert und Prozesse organisiert werden. Wir müssen – wo notwendig – Wege für eine schnellere Entscheidungsfindung ebnen.

Was sind die nächsten Schritte? Wie füllen wir die Strategischen Ziele mit Leben?

Die Strategischen Ziele sind – wie wir finden – sehr gelungen. Darauf können wir uns allerdings nicht ausruhen, sondern jetzt beginnt die Konkretisierung und Planung der Umsetzung. Dabei steht folgende Fragestellung im Mittelpunkt: „Wie erreichen wir unsere Ziele? Was sind die konkreten Schritte, um die Ziele zu erreichen?“

Die Zentren und Stabsstellen der Diakonie Deutschland sind aktuell dabei, entsprechende Vorhaben zu planen. Die konkreten Vorhaben und die Schritte der Umsetzung lassen die Strategie lebendig werden. Hier ist das gemeinsame Engagement der Leitung Diakonie, der Zentren und der Stabsstellen gefragt. Und wir wollen unsere Mitglieder gewinnen, ganz konkret zu einzelnen Zielen mitzuarbeiten.

Dazu wird es einen weiteren Startschuss geben: Am Dienstag, 2. November werden wir die Strategischen Ziele im Rahmen eines digitalen Symposiums vorstellen. Es wird spannende Impulse und Diskussionen geben. Darauf freue ich mich schon sehr!

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