„Ich sehe eine junge Generation, die viel Gestaltungswillen hat.“

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Frau Henne, wie soll die Gesellschaft in zehn Jahren aussehen?

Ich würde mit der Gegenfrage erwidern: Wie sieht die Gesellschaft in vierzig Jahren aus? Ich denke, wir müssen langfristig Wege finden, unsere Gesellschaft weiterhin offen und demokratisch zu gestalten. Besonders am Herzen liegt mir dabei die Arbeitswelt in der Zukunft. Dass wir eine Gesellschaft haben, in der sich jeder mit seiner Arbeit wertgeschätzt fühlt und auch Möglichkeiten hat, sein Arbeitsleben selber so zu gestalten, wie er sich das vorstellt. Ich denke, im Gegensatz zu meiner Großeltern-Generation hat sich da viel verändert.

Was sind Ihrer Meinung nach die zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft, denen wir uns widmen müssen?

Das ist vor allem das Thema Bildung: Bildungschancen für alle und auch bessere Bildungschancen schaffen, die Erwachsenenbildung stärken.

Neben der Bildung sehe ich als wichtigen Punkt das Gesundheitswesen, das wir stärken müssen. Die digitalen Chancen in dem Bereich müssen genutzt werden. Dabei dürfen auch die ländlichen Regionen nicht vergessen werden, damit alle überall gut versorgt sind und das Leben dort auch lebenswert ist.

Ebenso werden Rente und Altersarmut zwei Themen sein, die uns begleiten werden und derer wir uns annehmen müssen. 

Was wären aus Ihrer Sicht die zentralen Themen, derer sich die Wohlfahrtsverbände und -organisationen annehmen sollten?

Die Themen Rente und Altersarmut müssen auch die Wohlfahrtsverbände begleiten, um unsere Gesellschaft entsprechend mitzuprägen.

Ich denke aber auch, das Thema Familie darf nicht unterschätzt werden. Gerade die Stellung der Frau – auch berufliche Chancen für Frauen – erfordern starke Strukturen. Da reden wir schnell über Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder Weiterbildung.

Das Thema Integration ist auch nicht zu vernachlässigen. Auch die Diakonie wird dazu sicherlich ihren Beitrag leisten können.

Beim Thema Prävention können die Wohlfahrtsverbände viel dazu beitragen, Krankheiten zu verhindern, frühzeitig aufzuklären, auch schon auf Kinder und Jugendliche einwirken, um letztlich schlimmere Krankheiten zu verhindern. Ein Beispiel: Adipositas und Suchterkrankungen kann man beides durch Präventionsarbeit gut bekämpfen.

Ein vierter Bereich sind die Bildungschancen. Wir haben ja auch die Erwachsenen-Bildungsstätten und Weiterbildungsstätten.

Dann zum Thema Extremismus-Bekämpfung: Auch die Wohlfahrtsorganisationen müssen an jeder Stelle gegen Rechts- und Links-Extremismus vorgehen und die christlichen Werte in unserer Gesellschaft an der Stelle hochhalten. 

Lassen Sie uns konkret werden: Welchen Punkten sollte sich die Diakonie zuwenden?

Neben den eben genannten Themen sehe ich in der praktischen und täglichen Arbeit der Diakonie vor allem den gesellschaftlichen Diskurs als wichtigen Tätigkeitsbereich: die Debatten mitzuprägen und mitzugestalten, eine christlich-ethische Sicht einzubringen, Plattformen zu bieten wie #zugehört oder auch andere, wie den MIKA-Podcast der Diakonie Bayern.

Solche interaktiven Gestaltungsformen bieten ganz große Möglichkeiten, auch für die Diakonie, um im gesellschaftlichen Diskurs mitzuwirken und Einfluss zu nehmen.

Ihnen ist der Diskurs mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen ganz besonders wichtig. Ihr Wunsch ist es, dass die Diakonie sich den Jungen und ihren Ideen und Bedürfnissen für die Zukunft zuwendet. 

Ich denke, es ist ganz wichtig, jungen Leuten auf Augenhöhe und auch auf den Kanälen zu begegnen, die sie nutzen. Das sind natürlich auch soziale Medien. Junge Leute mögen diesen direkten Austausch.

Die Diakonie kann noch viel Zugewinn erzielen, wenn der direkte Kontakt zu jungen Leuten immer wieder gesucht wird. Denn letztlich liegt allen jungen Menschen viel daran, ihre eigene Zukunft zu gestalten.

Ich sehe da keine große Politikverdrossenheit, wie es gerne unterstellt wird, sondern ich sehe eine junge Generation, die viel Gestaltungswillen hat und viel Freude daran hat, Ideen zu entwickeln. Ich glaube, das ist eine ganz große Ressource, die die Diakonie für sich nutzen kann.

Wo würden Sie frei sagen: Okay, das würde ich jetzt gerne noch einbringen.

Was mir persönlich im Hinblick auf die Diakonie und die evangelische Kirche in Deutschland noch sehr am Herzen liegt, ist, die gesellschaftliche Verantwortung, die christlichen Werte weiter in unsere Gesellschaft mit einzubringen, gerade auch bei jungen Menschen. Durch den direkten Kontakt, letztlich durch den gelebten Glauben, unser gesellschaftliches Wertesystem weiter zu unterstützen und weiterzuentwickeln.

Ich glaube, das gibt sehr viel Orientierung und ist etwas sehr Wertvolles. Auch in der praktischen Arbeit der Diakonie und für die Diakonie als Arbeitgeber.

Vielen Dank, Frau Henne.


Meret Henne ist für den Bezirksverband Ostfriesland Mitglied des Landesvorstands der Jungen Union Niedersachsen. Ihre Schwerpunktthemen sind Soziales, Gesundheit und Familie.

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