„Unser Lebenswandel wird sich in ganz vielen Bereichen ändern.“

Interview mit Sandra Köster, Leiterin des Referats Soziale Gerechtigkeit im Bundesumweltministerium

Was sind aus Ihrer Sicht als Leiterin des Referats Soziale Gerechtigkeit die zentralen Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft in den nächsten Jahren steht?

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Eine der ganz großen Herausforderungen ist es, die vielen Themen, die uns umtreiben, zusammenzudenken und unter einen Hut zu bringen. Dazu gehören die Bekämpfung des Klimawandels und die Anpassung an seine Folgen, Digitalisierung, Globalisierung, die Überwindung sozialer Spaltung.

Die wirkliche Herausforderung besteht vermutlich darin, all das miteinander zusammenzudenken und gemeinsam zu lösen. Dies bedeutet auch, aus den Silos herauszukommen und zu überlegen, wie die unterschiedlichen Aspekte miteinander zusammenhängen.

Wir sprechen ja nicht zu Unrecht von einer großen sozialökologischen Transformation, vor der wir stehen. Das heißt, es reicht nicht mehr nur, einzelne Herausforderungen durch kleine technische Änderungen und Innovationen zu bewältigen, sondern wir müssen anerkennen, dass sich unser Lebenswandel in ganz vielen Bereichen ändern wird und dass diese alle miteinander verwoben sind.

Sie versuchen, in Ihrem noch relativ neuen Referat eine Brücke zu bauen zwischen den genannten Silos und die damit einhergehenden Zielkonflikte zu lösen. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Ich habe in den letzten Jahren und Monaten eigentlich sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Die Zeit ist mehr als reif dafür, dass wir aus diesen Silos rauskommen. Ich bemerke sowohl bei den Umweltakteuren als auch bei den Akteuren im sozialen Bereich eine große Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.

Viele sind ja den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und auch der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie seit Langem verpflichtet und arbeiten daran mit. In der letzten Zeit hat sich da noch mal sehr viel getan. Die Akteure fühlen sich nicht mehr nur für die Umsetzung der jeweils eigenen Umwelt- oder sozialen oder ökonomischen Ziele verantwortlich, sondern sind auch bereit, andere Aspekte mitzudenken und diese im Austausch miteinander anzugehen.

Wenn Sie sich als Mitarbeiterin des Bundesumweltministeriums etwas wünschen dürften, wenn Sie der Diakonie etwas mit auf den Weg geben dürften, wie sie neben ihren sozialen auch ökologische Ziele verfolgen kann – welche wären das?

Ich glaube, dass die Diakonie viele Möglichkeiten hat, einen Beitrag zu leisten. Einmal ist sie ja ein großer Träger von Einrichtungen und Diensten, die einen großen Hebel haben, zur Erreichung unserer Umwelt- und Klimaziele beizutragen: sei es durch ihre Gebäudebestände, durch die Autoflotten, durch die Frage, wie in ihren Kantinen eigentlich gekocht wird. Es gibt ganz viele Bereiche von der nachhaltigen Beschaffung bis zur Frage: Welche Lebensmittel? Wie viel Fleisch? Was für Fleisch verwende ich?

Aber fast noch wichtiger finde ich, dass dadurch, wie die Diakonie in der Fläche vertreten ist, sie sehr viele Menschen vor Ort erreicht, darunter auch viele freiwillig Engagierte, die ja oft auch sehr intrinsisch motivierte Menschen sind. Bei diesen Menschen dafür zu werben, nachhaltige Lebensstile für sich zu entdecken, ihr Umweltverhalten zu ändern und das mit sozialen Anliegen zusammenzubringen, darin besteht eine ganz große Chance.

Herzlichen Dank.


Sandra Köster ist Leiterin des im Jahr 2018 eingerichteten Referats „Soziale Angelegenheiten der Umweltpolitik, Soziale Gerechtigkeit“ im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. In ihrer Zuständigkeit liegen damit insbesondere Fragen an der Schnittstelle von Sozial- und Umweltpolitik. Von Haus aus ist sie studierte Landschafts- und Umweltplanerin.

 

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