Weshalb wir eine Strategie entwickeln

Oder: Die Diakonie Deutschland als Sinfonieorchester

Von Tobias Traut am 21.10.2020

3+15+14=32. So viele lila und blaue Kästchen finden sich im Organigramm der Diakonie Deutschland. Jedes Kästchen mit eigenen Ideen, Aufgaben, Arbeitsplänen. Die Zahl der Themen der Diakonie Deutschland liegt - je nach Definition – noch deutlich höher: von Kinderarmut über Telefonseelsorge und Hospizarbeit bis hin zu sozialem Unternehmertum, um nur einige zu nennen. Die Diakonie Deutschland besteht also aus vielen einzelnen Elementen – so wie ein Sinfonieorchester. Wie gelingt es, dass diese kein musikalisches Durcheinander produzieren, sondern gemeinsam ein mitreißendes Konzert geben? Was braucht es, dass die Musik nicht nur den Musiker*innen, sondern auch den Zuhörenden im Konzertsaal gefällt?

Damit das klappt, müssen einige Bedingungen erfüllt sein:

  • Zunächst einmal braucht es Musiker*innen, die ihr Instrument beherrschen. Das ist bei der Diakonie Deutschland gegeben. Hier arbeiten viele Fachleute mit Kompetenzen in ganz unterschiedlichen Gebieten.
  • Es braucht gemeinsame Regeln und Normen. In der Musik werden diese in Notenschrift festgehalten. Dem entsprechen bei der Diakonie Deutschland die Grundlagendokumente, insbesondere Satzung und Leitbild. Hinzu kommen viele weitere handlungsleitende Dokumente, z.B. der Corporate Governance Kodex.
  • Ein gutes Orchester braucht eine gemeinsame Vorstellung von der Musik, die entstehen soll. Im Fall der Diakonie ist diese Vorstellung geprägt von ihrer vielfältigen Geschichte und dem Eingewobensein in die evangelische Kirche.
  • Schließlich braucht es ein Musikstück, eine Komposition. Das ist die Strategie. Sie trägt dazu bei, dass alle Arbeitseinheiten, Angebote und Dienstleistungen des Bundesverbands harmonisch miteinander klingen, auch wenn sie einzeln ganz unterschiedlich Töne erzeugen. So wie eine Sinfonie musikalische Themen hat, die immer wieder auftauchen (vielleicht am Eingängigsten: Beethovens Fünfte), so formuliert eine Strategie gemeinsame Ziele, die sich durch die gesamte Arbeit des Verbands hindurchziehen, ohne dass die Vielfalt an Aufgaben und Themen verloren geht. Es fügt sich jedoch alles harmonisch zu einem Gesamtklang zusammen.

Claude Frégeau on unsplash.com

Diese diakonische Sinfonie gibt es schon. Es ist die vor fünf Jahren verfasste Strategie 2016-2020. Ihre Laufzeit ist bald zu Ende. Und das ist gut so. Denn in diesen fünf Jahren Zeit haben sich Gesellschaft, Politik, Kultur und Technik gewandelt. In welcher Art und Weise – das gilt es für die Diakonie Deutschland zu erkennen und entsprechend ihre Angebote und Arbeitsweisen anpassen. Es braucht also eine neue Strategie für den nächsten Zyklus (in unserem Fall: fünf Jahre).

Auch für die Prinzipien, die dem Erarbeitungsprozess der neuen Strategie zugrunde liegen, passt das Bild vom Orchester.

Erstens: Der Prozess soll partizipativ gestaltet sein. Es gibt nicht den einen Maestro, der alles bestimmt. Die Zuhörer*innen im Saal sind an der Erarbeitung der Sinfonie beteiligt. Oder mit anderen Worten: Die Erwartungen und Bedarfe der Mitglieder der Diakonie Deutschland sind relevant für den Prozess, ebenso die Expertise weiterer Fachleute. Auch wenn es notwendig ist, dass am Schluss Entscheidungen über die Prioritäten gefällt werden, so soll doch zu Beginn eine Vielfalt von Vorschlägen, Ideen und Perspektiven eingesammelt werden.

Zweitens: Die Strategie soll die Balance halten zwischen Verbindlichkeit und Flexibilität. Rahmenbedingungen können sich unerwartet binnen kurzer Zeit ändern. Corona ist das beste Beispiel dafür. Bei außerordentlichen Vorkommnissen (Stromausfall, Dirigent*in stolpert und verletzt sich, Noten sind verschwunden) muss das Orchester also trotzdem in der Lage sein, zu improvisieren.

Drittens: Das Ergebnis ist noch offen. Selbstverständlich gibt es schon jetzt viele Themen, die sich aufdrängen. Gleichwohl steht noch nicht fest, welche Schwerpunkte genau gesetzt werden, und wie diese im Detail ausformuliert sind. Der Prozess beinhaltet folglich kreative Momente, vielleicht auch Überraschungen. Die Sinfonie muss erst noch komponiert werden.

Damit das Ergebnis gut klingt und in den kommenden Jahren Wirkung entfalten kann, wird es also noch eine ganze Reihe von Schritten geben. In jedem Fall werden die nächsten Monate spannend! Wir wünschen uns eine starke Beteiligung. Es wäre schön, wenn auch Sie sich an der einen oder anderen Stelle ihre Kreativität und Expertise einbringen.

Und wir freuen uns, wenn Sie dann im September 2021 der Uraufführung der neuen Sinfonie beiwohnen.

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